| Aus Worringen und seiner Umgebung sind zahlreiche ur- und
frühgeschichtliche Fundstellen bekannt. Die dichte Besiedlung der Landschaft seit der
Jungsteinzeit ist auf die fruchtbaren Hochflutlehme und die Nähe zum Rhein
zurückzuführen.
Feuersteinartefakte des Mesolithikums zeigen, dass der Worringer Raum schon zwischen 8.000
und 5.500 v.Chr. von Menschen aufgesucht wurde. Die ältesten Spuren sesshafter Verbände
datieren um 4000 v.Chr., wie Grabfunde belegen, die bei den Ausgrabungen auf dem Blumenberg
ans Tageslicht kamen. Während der späten Bronze- und älteren Eisenzeit scheint die Zahl
der Siedlungen erheblich zugenommen zu haben. In dieser Epoche, die etwa zwischen 1000 und
500 v.Chr. einzuordnen ist, lagen auf den Geländekuppen kleine Gehöfte, deren Bewohner auf
den umliegenden Nutzflächen Ackerbau und Viehzucht betrieben.
Eine größere Zahl römischer Fundstellen zeugt von der Bedeutung des Ortes im 1. bis 4.
Jahrhundert n.Chr. Man vermutete lange, dass im alten Ortskern von Worringen seit dem 1.
Jahrhundert n.Chr. das aus den Schriftquellen bekannte Kastell „Burungum“ lag, in dem
eine Kavallerieeinheit stationiert gewesen sein soll. Archäologische Hinweise auf ein
Kastell oder die Anwesenheit militärischer Personen gibt es im Ort jedoch nicht.
Ein mächtiges Gussmauerfragment und mehrere Säulenfragmente, die 1896 beim Bau der Schule
an der Stelle von Alt St. Pankratius entdeckt wurden, lassen sich weder mit einer
Lagerarchitektur noch mit privaten Bauten wie einem Gutshof zusammenbringen.
Die Funde zeigen aber, dass dort seit dem späten 1. oder 2. Jahrhundert ein öffentlicher
Großbau gestanden hat, der mit rund 5 m hohen Säulen ausgestattet war.Es dürfte sich um
einen Tempel gehandelt haben. Auf ein römisches Heiligtum könnte auch ein 1808-1810 beim
Schleifen des Kölnischen Tores gefundener Kalksteinblock hinweisen, der eine Weiheinschrift
an Jupiter zum Wohl des Kaisers Antonius Pius und des Prinzen Marcus Aurelius trägt und
daher zwischen 138 und 161 n.Chr. datiert werden kann. Gespendet wurde der Stein von Titus
Flavius Firmus, einem Kommandeur (Praefekten) einer in Dormagen stationierten Reitereinheit.

Krüge
Westlich dieses Gebäudes lag im 1. bis 4. Jahrhundert n.Chr. eine zivile Niederlassung von
der nur geringe Reste erhalten sind. |
Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurden überwiegend entlang der
antiken Limesstraße (Alte-Neusser-Landstraße) zahlreiche römische Gräber gefunden, deren
Grabbeigaben nur zum Teil erhalten sind. Reste römischer Bestattungen kamen auch nördlich
der Kirche Alt St. Pankratius zutage. Außerdem sind „In den Bendengärten“ drei
Körpergräber freigelegt worden, von denen eines einen qualitätvollen Glasbecher des 4.
Jahrhunderts enthielt.

Glas
In der Worringer Gemarkung lassen sich mindestens zwei Gutshöfe (Villae rusticae) mit
kostbarer Gebäudeausstattung nennen. Der eine lag am südlichen Innenrand des Worringer
Bruchs in der Flur Eispohl, der andere nördlich des Further Weges, beiderseits der
Bahntrasse Köln-Neuss. Der Wohlstand in dem die Besitzer dieser Anlagen lebten, macht es
wahrscheinlich, daß der Reichtum nicht allein auf der Landwirtschaft beruhte. Es handelte
sich entweder um begüterte Bürger der Provinzhauptstadt Köln (CCAA), oder um die Besitzer
der Ziegeleien des näheren Umlandes.
Dort arbeiteten mehrere römische Ziegeleien, welche die Auenlehme als Rohstoff nutzten und
ihre Ware über den Rhein kostengünstig verhandeln konnten.
Als Folge der Frankeneinfälle wurden seit der Mitte des 3. Jahrhunderts viele Gutshöfe
aufgegeben. Niedergermanien blieb trotz der germanischen Überfälle bis in die erste
Hälfte des 5. Jahrhunderts unter römischer Herrschaft. Anschließend ging das Land in
fränkischen Besitz über. Auch aus dieser Epoche, der sogenannten Merowingerzeit (Mitte 5.
bis frühes 8. Jahrhundert n.Chr.) sind in Worringen mehrere Fundplätze bekannt. Das
Ortsgräberfeld wurde mehrfach zwischen St.-Tönnis-Straße und Pletschbach sowie westlich
der Straße „Breiter Wall“ angeschnitten. Den Funden zufolge wurde auf dem Friedhof
zumindest vom späten 5. bis zum frühen 7. Jahrhundert bestattet. Der zugehörige
frühmittelalterliche Kern der Siedlung lag am Fronhof, wie Keramikfunde des 5./6.
Jahrhunderts zeigen. |
Aus dem Ortsgräberfeld ist das Grab eines 9- bis 11-jährigen
Mädchens bekannt, das mit zwei kostbaren silbernen Scheibenfibeln und Almandinbesatz
(Granate), Perlenkette, einem Gürtelgehänge mit zwei Metallringen und einem eisernen
Messer, Beinkamm sowie einer Tonschale und einem Tonbecher zur Aufnahme von Speise und Trank
als Wegzehr für das Jenseits ausgestattet war.

Fibel
Hervorzuheben ist eine heute verschollene Goldmünze des fränkischen Königs Theudebert
II., die zwischen 595 und 612 im französischen Arles geprägt worden ist.
Die teilweise hohe Qualität der Grabbeigaben zeigt, dass im frühmittelalterlichen
Vorgänger von Worringen, erstmals erwähnt 922 in einer verfälschten Urkunde des Kölner
Erzbischofs Hermann I. (889-924) als „Vuurnc“, vermögende Menschen gelebt haben. Der
Grund hierfür und der relativ frühen Zeitpunkt der Niederlassung liegt in der
strategischen Bedeutung des Platzes, an dem sich mehrere Altstraßen bündeln und zudem ein
brückenartiger Übergang über den Pletschbach angenommen wird.
Zwei weitere merowingerzeitliche Fundstellen zeigen, dass die westlichen Zubringer zur
Rheinlimesstraße auf antike Vorläufer zurückgehen. Bei der einen Fundstelle handelt es
sich um eine Wüstung nahe dem Bergerhof. Bei Erdarbeiten wurde Ecke Hackhauser
Weg/Grimlinghauser Weg ein Knickwandtopf des 7. Jahrhunderts geborgen, der aus einem
Grabfund stammen dürfte.

Krüge
Im hohen Mittelalter führte der Anstieg der Bevölkerung zur Ausweitung des Dorfareals
innerhalb der mittelalterlichen Befestigung Worringens. Diese Grenzen der Besiedlung wurden
– sieht man von den Domkapitularischen Höfen ab – bis zum frühen 19. Jahrhundert nicht
überschritten. Die weiter westlich gelegenen merowingerzeitlichen Siedlungseinheiten am
Hackhauser Weg und am Bergerhof sind erst im Zuge der jüngsten baulichen Entwicklung im
Ortsbild aufgegangen. |